Apr 062020
 

Wir als Bee IT Security unterstützten unsere Kunden tatkräftig bei der Absicherung Ihrer Infrastrukturen. Dabei ist es aber natürlich auch unerlässlich die Taktiken der Angreifer zu kennen und zu verstehen. Genau deshalb betreiben wir auch eigene Honeypots: absichtlich anfällige Server im Internet, die von Kriminellen gekapert werden können. Ziel ist es, deren Aktionen aufzuzeichnen, zu analysieren und schlussendlich sicherzustellen, dass die eigenen Absicherungsmaßnahmen die Angriffe abgewehrt hätten.

Mein Lieblings-Honeypot hört auf den Namen “MXB System” und ist mittels des Benutzernamen admin und dem absolut sicheren Passwort admin direkt aus dem Internet per RDP erreichbar. Für das Monitoring setzen wir eine Vielzahl unterschiedlicher Technologien ein:

Mit Sysmon protokollieren wir alle Prozessstarts, Datei- und Registryänderungen aber auch jeglichen Netzwerkverkehr. Der Blackcat Keylogger zeichnet zusätzliche alle Tastatureingaben auf. Da viele Cyberangriffe auf Powershell aufbauen, werden diese Befehle auch geloggt. Damit wir sofort bescheid wissen, sobald unser Honeypot attackiert wird, haben wir unser Microsoft Teams integriert, wodurch Live Notifications möglich werden. Um das Vorgehen der Kriminellen besser zu verstehen, haben wir an unterschiedlichen Stellen im Dateisystem auch Fake Inhalte platziert. Alle Aktivitäten der RDP Sitzung werden mit FFmpeg auch als Video aufgezeichnet. Und genau darum geht es in diesem Blogeintrag!

Im Folgenden finden Sie ein Video, das die Verschlüsselung unseres Honeypots und das Vorgehen der Kriminellen im Detail zeigt. Besonders spannend daran ist jedoch, dass zuvor der komplette Rechner analysiert und auch Lateral Movement versucht wird. Also gleich ansehen:

Bei der vom Angreifer verwendeten Cryptolocker Schadsoftware handelt es sich übrigens um Standardkomponenten: CrySIS. Diese wird sehr oft in der von uns beobachteten Form per RDP Bruteforcing in Unternehmensnetzwerke eingeschleust. Siehe dazu auch das wirklich gelungene Threat Spotlight von Malwarebytes.

Das hier eingesetzte Sample war übrigens schon von praktisch allen Virenscannern als bösartig eingestuft. Da die Infektionen aber manuell stattfindet, werden die installierten Virenscanner einfach deaktiviert.

In unserem Fall wäre ein Zahlung von 3.000€ von den Angreifern gefordert worden. Leider kann man sich jedoch oft nicht auf die Aussagen der Kriminellen verlassen. Wird die initiale Forderung beglichen, kann es passieren, dass das Lösegeld noch einmal erhöht wird:

Wie bricht man in RDP Server ein?

Um überhaupt in unseren Honeypot einzubrechen, kann beispielsweise Masscan und RDP Brute verwendet werden. Im ersten Schritt werden dabei mittels der in Masscan hinterlegten Länder IP Ranges öffentlich erreichbare RDP Server gesucht. Der eigentliche Einbruchsversuch kann anschließend mit RDP Brute oder NL Brute durchgeführt werden. Beide Tools ermöglichen Wörterbuchangriffe auf schwache Benutzerpasswörter:

Viele der so gekaperten Rechner werden nicht nur verschlüsselt, sondern auch auf Plattformen wie dedic.top für wenig Geld weiterverkauft. Als Käufer kann man hier komfortabel auf den Serverstandort, Admin Rechte und “Entdeckungsrisiko” filtern. Sollte der so gekaufte “Dedic” vom eigentlichen Besitzer gesperrt worden sein, gibt es natürlich kostenlos Ersatz.

Wie kann ich mich schützen?

IT Security muss nicht immer teuer sein! Ganz im Gegenteil, ein guter Basisschutz reicht in vielen Fällen bereits aus, um Cyberangriffe zu verhindern – so auch hier.

RDP nicht direkt im Internet publizieren & Multi-Faktor Authentifizierung

Es sollte immer ein Remote Desktop Gateway verwendet werden, der zusätzliche Sicherheitsfunktionen bereitstellt. Besonders wichtig ist hier der zweite Authentifizierungsfaktor z.B. per Smartphone-App für Remotezugriffe.

Verwenden Sie Lockout Policies

Unser Honeypot wird primär durch Wörterbuchangriffe übernommen. Leider mussten wir auch bereits einige echte Incidents nach Einbrüchen über RDP bearbeiten. Durch die Nutzung einer Lockout Policy hätten viele verhindert werden können.

Mitarbeiter Awareness

Alleine durch Technik ist es nicht möglich die eigene Organisation ausreichend zu schützen! Entscheidend ist die Mitarbeiter auf die Bedrohungen durch Cyberkriminalität zu schulen. Wir können hier unseren Partner nextbeststep nur wärmstens empfehlen!

IT Systeme härten (“Hacking Workshops”)

Es gibt noch viele weitere einfache Tricks, wie das eigene Netzwerk noch besser gegen Angriffe abgesichert werden kann. Dies lassen sich am Besten im Zuge von “Hacking Workshops” vermitteln. In unseren geführten Security Audits hacken wir gemeinsam mit Ihrer IT Abteilung die eigene Infrastruktur und erarbeiten anschließend gemeinsam entsprechende Absicherungsmaßnahmen. Dieses Vorgehen bringt einen langfristigen IT Security Mehrwert in der IT Abteilung und hilft sofort wichtige Absicherungsmaßnahmen umzusetzen. Das besondere: Wir helfen gleich bei der Implementierung mit – das ganze ohne eigenes Produkt-Portfolio.

Bei Fragen zu diesem Artikel oder unseren Hacking Workshops, senden Sie mir am Besten eine Mail an: florian [@] bee-itsecurity.at

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